Lauftraining oder Wasserspiele?

Von Traudel Hoschke.

Unser wöchentliches Freitagabendtraining um 18 Uhr findet generell und unter allen Umständen statt – ausgenommen ist vielleicht ein Weltuntergang zu unpassender Uhrzeit -  ansonsten gibt es keine Hindernisse, bzw. Ausreden, nicht zu erscheinen.

Deshalb mache ich mich auch an diesem zweiten Freitag im Februar auf den Weg, um meinen guten Willen zu demonstrieren, bin aber der festen Überzeugung, dass Wetter- und Platzverhältnisse dem besagten Weltuntergang schon sehr nahe kommen. Außerdem sind 90 Prozent unserer Freitagsläufer irgendwo in den Alpen zum Skifahren entschwunden – hoffentlich ohne sich die Haxen zu brechen – so dass überhaupt nur ein kümmerlicher Rest von Daheimgebliebenen auftauchen kann.

Durch Starkregen, Orkanböen und die einsetzende Dunkelheit kämpfe ich mich zum Platz und bewundere die Vielfalt von Wasservögeln – Gänse, Enten, Haubentaucher -, die sich auf dem dort entstandenen Gewässer tummeln.

Für meine Tapferkeit erwarte ich ein paar lobende Worte von unserer Trainerin, um dann in Ehren nach Hause entlassen zu werden. Soweit mein Traum. Elke ist nämlich ein absoluter Fan grottenschlechten Wetters. Sie blüht geradezu auf ob dieser Bedingungen. Ihre Augen strahlen, als außer mir noch zwei mutige Läufer auftauchen. Mein Abend auf dem Sofa rückt in weite Ferne.

Der Platz ist wirklich nicht „bespielbar“, also lädt sie uns ein zu einer „ lockeren“ Laufrunde. Damit uns nicht kalt wird, baut sie ein paar Nickeligkeiten ein. Oh Mann! In strömenden Regen traben wir los Richtung Rhein, hetzen Treppen, von denen ich bisher nicht wusste, dass es sie gibt, mindestens 3mal rauf und runter und quälen uns bis zur Rheinbrücke. Hier werde ich in Zukunft nicht mehr unbefangen spazieren gehen!

Auf der Brücke bläst der Wind so heftig, dass ich glaube, abzuheben und zu schweben. Mein Gefühl entspricht den Tatsachen. Meine Füße berühren den Boden nicht mehr und Elke, die Frau für alle Fälle, hat sofort eine Sicherheitsleine parat, damit ich nicht über das Brückengeländer entschwinden und meine Trainingseinheit als Kraulschwimmer beenden muss.

Auf der anderen Rheinseite erwarten uns ein paar Steigungen, die für den flachen Niederrhein eigentlich ungehörig sind. Die rennen wir hoch, vorwärts, rückwärts, im Seitgalopp, auf den Händen -  kurzum: wir lassen nichts Anstrengendes aus. Als Elke der Meinung ist, dass wirklich niemand mehr einen trockenen Faden am Leib hat und auch der Wind uns nicht mehr genug beutelt – wie schade – dürfen wir gemütlich (na ja) die 5 Kilometer zum Platz zurücktraben. Unterwegs überlege ich noch, ob ich nicht auch endlich mit dem Skifahren beginnen soll.

Schleierhaft ist mir allerdings, warum ich mich am Ende dieser Trainingseinheit so absolut wohlfühle, aber: so isses!