Kampf mit den Kampfrichtern

Ein "Highlight" in Budapest 

von Thomas Zacharias

Als die M55er mit ihrem Hochsprungwettkampf dran waren, geschah in der Halle ansonsten gar nichts. Ein Dutzend Zuschauer verlor sich an den Längsbanden, weil die Tribünen viel zu weit entfernt standen und noch andere, monströse Bauten im Innenraum die Sicht versperrten. Ferner saßen an der Landematte ungefähr 10 Kampfrichter, die nur zusehen wollten und ansonsten nichts zu tun hatten. Und ihr Oberrichter wandelte am Rande der Anlauffläche unmotiviert hin und her und erschwerte dadurch den Zuschauern zusätzlich die schlechte Sicht.

Da ich auch nach Budapest gereist war, um meine Kollegen in den anderen Altersklassen zu sehen, zu treffen und auch per Video festzuhalten, musste ich mir einen Platz im Innenraum suchen, wo ich niemanden stören würde und trotzdem gute Aufnahmen machen könnte. Von diesem Platz bemühten sich gleich drei Kampfrichter mich zu verscheuchen. Eine junge energische Frau, ein williger Jüngling und besagter Oberrichter. Natürlich habe ich versucht, meine Position zu verteidigen, also meinen Standort und meinen Standpunkt. Ich sagte, ich stünde nicht auf der Wettkampfanlage und würde hier niemanden stören. Die WM seien letztlich ein Familienfest und ich habe nicht 600Euro ausgegeben, um mich jetzt hier rausschmeißen zu lassen. Die Teilnehmer seien alles meine Freunde und die hätten auch nichts dagegen, dass ich hier, weit vom Schuss, am Rande des Innenraumes neben der Stabhochsprunganlage stehe und Videos von ihnen drehte. Ich würde mich nicht von der Stelle bewegen. Die Ordnungshüter sagten, ich würde den Wettkampf stören und ich sagte, sie würden ihn stören, denn außer ihnen hätte hier niemand etwas gegen mich und es würde auch keiner einen Skandal veranstalten, außer ihnen. Am Ende zog ich mich zurück, weil ich diesen Skandal aus Rücksicht auf die Springer vermeiden wollte.

Später dachte ich, ich hätte mich von der anderen Seite wieder einschleichen, auf die Teilnehmerbank setzen und es darauf ankommen lassen sollen, dass sie mich von dort mit Gewalt entfernen würden. Hätten sie das gemacht? Wie hätten die Springer reagiert? Nein! Es war sicher besser, mich zurückzuhalten. Aber geärgert hat es mich schon gewaltig. Ich habe aber auch ein besonderes Talent, mich bei der Obrigkeit unbeliebt zu machen.

... Ich bin natürlich unendlich dankbar dafür, dass es überhaupt so viele nette Kampfrichter/innen gibt, die unseren schönen Wettkampfsport erst möglich machen. Und denen möchte ich auf keinen Fall Unrecht tun. Im Gegenteil! Die mit denen ich in erfreulicher Weise zusammenkam wissen, dass sie gemeint sind und dass ich ihr Engagement für die Sportler zu schätzen weiß. Ich freu mich schon aufs nächste Mal.