Erlebnis Monaco – Nun zum dritten Mal

von Guido Müller, 1. Dezember 2014

Motivation

Die Saison 2013 verlief für mich bereits sehr erfolgreich. In einigen Disziplinen erreichte ich bessere Zeiten als die internationalen Rekorde in „M 75“.  Da ich zum jeweiligen Zeitpunkt das 75. Lebensjahr noch nicht vollendet hatte, wurden sie international in dieser Klasse noch nicht gewertet. Ich hielt es daher im Bereich des Möglichen, dass mir 2014 der eine oder andere Europa-und Weltrekord gelingen könnte, falls ich verletzungsfrei und gesund bliebe. Diese Überlegungen motivierten mich von diesem Zeitpunkt an, konsequent auf dieses Ziel hin zu trainieren und mich auf die wichtigen Wettkämpfe optimal vorzubereiten.

 

Benachrichtigung von der Wahl

Nach Beendigung der Wettkampfsaison blickte ich zufrieden auf meine Ergebnisse zurück. Im Laufe des Monats September informierte mich der Präsident des Europäischen Seniorenverbandes Kurt Kaschke, dass sich das Wahlgremium für mich zum besten Europäischen Seniorenathleten 2014 entschieden hat.

Nach den Wettkämpfen im heißen Izmir gönnte ich mir zusammen mit meiner Frau einen geruhsamen Urlaub am Bodensee, der von Natur (Insel Mainau) und Kultur bestimmt war. Auf der Rückfahrt nach München, besuchten wir meinen Sportkameraden,  Hans-Jürgen Frühauf und seine Frau Heike, die in Wasserburg am Bodensee leben. Bei der Begrüßung  überbrachte mir Hans-Jürgen „die frohe Botschaft“, dass ich auch zum Best World Master Athlet 2014 gewählt worden war.

Dass ich nun bereits zum dritten Mal zum Best Male Master Athlet gewählt wurde, was bisher keinem männlichen Masterathleten gelang, wurde mitunter als sensationell bezeichnet. Ein Entscheidungsträger berichtete mir, dass nicht nur meine internationalen Siege und meine in diesem Jahr erzielten Rekorde für die Wahl den ausschlaggebend waren, sondern auch, dass ich mich als Mensch und als Sportler immer positiv präsentiert hätte. Dass eine solche Bewertung bei der Entscheidung auch eine Rolle spielt, hat mich besonders geehrt.

 

Auf nach Monaco

Meine Frau und ich flogen am 20.11., einen Tag vor der Ehrung nach Nizza, wo wir von der IAAF, dem Weltverband der Leichtathletik, zu unserem  Hotel nach Monaco gebracht wurden. Während wir auf unser Gepäck am Flughafen warteten, lernte ich Marita Koch aus Rostock persönlich kennen. Sie war in den 80er Jahren eine überragende Sprinterin. Beim Weltcup in Canberra (Australien) lief sie den heute noch unerreichten Weltrekord über 400 Meter in 47,60 Sekunden. Der Rekord wurde 1985 erzielt. Der Zufall ergab sich, dass ich im kleinen Zubringer Bus nach Monaco neben ihr saß. Ich sagte Marita Koch, dass meine Bestzeit (handgestoppt) 47,6 Sekunden war und es entwickelte sich auf der ca. 30minütigen Fahrt ins Hotel eine sehr angenehme Unterhaltung über die 400 Meter Disziplin, auch über die Taktik der Laufeinteilung und über ihr Training. Marita Koch wurde mit der ebenso außergewöhnlich erfolgreichen Heike Drechsler bei der Gala am Freitag  Abend zusammen mit  anderen ausländischen Leichtathleten geehrt und  in die legendäre „Hall of Fame“ aufgenommen.

Treffpunkt Monaco

Die IAAF hat uns diesmal im  Marriott Hotel in Cap-d‘Ail (Frankreich) untergebracht, das direkt gegenüber des „Stade Luis II“ (Monaco) liegt. Von unserem Zimmer aus hatten wir einen tollen Blick auf die vielen Luxusjachten und genossen den Sonnenaufgang über dem Meer. Den freien Nachmittag nutzten wir bei sonnigem und warmem Wetter zu einem ausgedehnten Spaziergang hinauf nach Monaco-Ville, der Altstadt von Monaco, mit Fürstenpalast und Kathedrale. Am Abend gab es ein gemeinsames Essen mit der Seniorengruppe. Dabei lernten wir auch die weibliche Best Master Athletin, Lavinia Petrie, aus Australien kennen, die mit ihren beiden Töchtern angereist war. Lavinia ist in der W 70 und hat in diesem Jahr mehrere Weltrekorde in den Langstrecken aufgestellt. Ebenfalls aus Australien angereist war der Senioren Weltpräsident, Stan Perkins mit seiner Frau Wilma und aus England Winston Thomas, der uns als Sekretär des Senioren Weltverbandes (WMA) im Vorfeld und während unseres Aufenthalts in Monaco bestens betreute. Stan Perkins reiste von Monaco aus direkt nach Lyon, zur weiteren Vorbereitung der dort im Sommer stattfindenden Seniorenweltmeisterschaften.

Nach dem Frühstück am Freitag brachte uns der Shuttle Bus zum Fairmont Hotel, wo die Meetings, Interviews und Konferenzen der Weltleichtathletik  für mehrere Tage stattfanden. Vom zentral gelegenen Fairmont Hotel unternahmen wir einen weiteren Spaziergang, zusammen mit Wilma Perkins. Wir bestaunten das weltberühmte Casino und schlenderten durch den sehr gepflegten Park zwischen dem Casino und dem eindrucksvollen Jugendstilgebäude aus dem Jahre 1913, in dem die IAAF ihren Sitz hat. Von dort aus ging es wieder zurück zu unserem Hotel. Bald darauf wurden wir abgeholt zum Mittagessen im Fairmont Hotel,  das für sämtliche Teilnehmer an der abendlichen Gala vorbereitet war. Bei unserer Ankunft am Hotel verabschiedete sich gerade am Eingang Fürst Albert II von Lamine Diack, dem Präsidenten des Weltverbandes ( IAAF). Der Fürst fuhr selbst ohne Chauffeur in einem eher bescheidenen Auto weg, was uns ziemlich erstaunte.


Die Ehrung

Für 15.00 Uhr war eine Pressekonferenz angesetzt. An dieser wurde noch vor der abendlichen Gala der Presse mitgeteilt, dass die neuseeländische Kugelstoßerin Valerie Adams und der französische  Stabhochsprung-Weltrekordhalter  Renaud Lavillenie als weltbeste Leichtathleten 2014 gewählt wurden. Im Rahmen dieser Pressekonferenz ehrte uns Senioren der Präsident Lamine Diack (Senegal) und überreichte uns nach einer kurzen Laudatio  die Trophäen.  Während und nach den Ehrungen konnten wir Fotos machen ebenso wie die zahlreichen Leute von der Presse. Darunter gelang meiner Frau auch ein Gruppenbild mit Valerie Adams und Renaud Lavillenie sowie mit Sebastian Coe, der ein sehr aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge von Lamine Diack ist. Die Wahl erfolgt in Peking während der Weltmeisterschaften 2015. Nach den Ehrungen interviewte mich bei laufender Kamera ein für die ARD und den WDR arbeitender deutscher Journalist.

Der Galaabend war diesmal im festlich geschmückten Zirkuszelt, wenige Gehminuten von unserem Hotel entfernt, in dem alljährlich im Winter das traditionelle „Festival du cirque“  stattfindet. Noch vor dem Galadiner wurden Valerie Adams von Fürst Albert und Renaud Lavillenie von Lamine Diack geehrt und danach einige Sportgrößen aus vergangenen Jahrzehnten und auch verdiente Funktionäre. Auch diesmal war der Galaabend in Monaco der gesellschaftliche Höhepunkt für mich.
 

Ausklang

Am Samstag wurden wir im Laufe des Vormittags zum Flughafen nach Nizza gebracht. Wir blieben auf eigene Kosten noch drei Tage in Nizza und genossen sowohl die Wärme als auch die kulturellen Höhepunkte der Stadt und die berühmte „Promenade des Anglais“.

 

Die Hervorhebung der Namen erfolgte durch die Redaktion.