DLV-Startpass erster und zweiter Klasse

DLV-Startpass erster und zweiter Klasse

Startpass erster Klasse:  Nation D.

Gedanken von Itta Olaj zu den Auswirkungen der seit 2017 geltenden Einschränkungen des Startrechtes für ausländische Sportler mit DLV-Startpass.

Itta Olaj, Österreicherin, seit 2008 in Deutschland, Startpassinhaberin eines deutschen Laufvereins, Hobbysportlerin, ehemalige Langdistanz-Triathletin, aktive Marathon- und Ultraläuferin, seit diesem Jahr in der W50, größter sportlicher Erfolg in Deutschland: 2017 Bronze mit der Damenmannschaft über 50 km.

Bis Ende 2016: Wir leben hier, du lebst hier, also gehörst du zu uns.
Obwohl es für mich keine Sprachbarriere gab, hat es lange gedauert, bis ich mich als Österreicherin hier in Deutschland wirklich zuhause fühlte. Was mir dabei geholfen hat? Dass ich in mittlerweile drei deutschen Laufvereinigungen eine Heimat gefunden habe.
Bei meinem Stammverein, der LG Mauerweg Berlin e.V., übrigens inmitten von Sportlerinnen und Sportlern aus Deutschland, Dänemark, Holland, Großbritannien, Griechenland, Belgien, Polen, Ungarn, Spanien, Italien, Argentinien, der Türkei, der Schweiz und den USA.
Bald war ich auch sportlich im Team angekommen. Denn es galt: Wir leben hier, du lebst hier, also gehörst du zu uns. Somit galt aber auch: Bei Wettbewerben steht unser Verein als Team an der Startlinie, und du bist dabei. Auch bei Meisterschaften.
Dafür wollte ich dem deutschen Laufsport auch gerne etwas zurückgeben: Gemeinsam mit meinen Vereinskollegen der LG Mauerweg arbeite ich zum Beispiel ehrenamtlich für den Mauerweglauf und trage dazu bei, diesen geschichtsträchtigen Lauf international noch bekannter zu machen. Bei meinem zweiten Verein packe ich ebenfalls gerne bei Veranstaltungen mit an, sei es bei Auf- und Abbau oder am Verpflegungsstand.
Und noch etwas: Seit ich selbst Ausdauersport betreibe – also seit mehr als 20 Jahren – versuche ich, insbesondere anderen Frauen Mut für die langen Kanten zu machen, Frauenteams zu bilden und gemeinsam an die Startlinie zu gehen. Früher in Österreich, jetzt hier in Deutschland.
 

Wegfall des Startrechts - Ein Schlag ins Gesicht
Ich empfinde den Wegfall des Startrechts für nicht-deutsche Startpassinhaber als Ohrfeige für alle, die wie ich hier zwar fest verwurzelt, jedoch keine deutschen Staatsbürger sind. Mit einem Schlag sind wir draußen, nicht mehr vollwertige Mitglieder der Laufsportgemeinschaft. Jetzt können wir unsere Vereine bei den wichtigsten Veranstaltungen des Jahres leider nicht mehr so repräsentieren wie unsere Vereinskolleginnen und -kollegen.
Für mich ist diese Entwicklung nicht nachvollziehbar. In den Fällen wie meinem geht es ja nicht einmal, um Titel und Medaillen, allenfalls um ein paar Lorbeeren in den Mannschaftswertungen. Doch gerade diese stärken das Gefühl der Zusammengehörigkeit. Über Altersklassen, über Nationalitäten und auch über Handicaps hinweg.

Spaltung gewachsener Gemeinschaften

Für die deutsche Leichtathletik hätte es eine Vielzahl anderer Möglichkeiten gegeben, eventuelle (einzelne) Missbräuche der bis Ende 2016 gültigen Regeln zu verhindern. Leider hat man sich nicht die Mühe gemacht, nach konstruktiven Lösungen zu suchen, sondern sich für einen kategorischen Ausschluss aller Mitbürgerinnen und Mitbürger ohne deutschen Pass entschieden. Es ist sehr traurig, dass somit ausgerechnet der Sport damit beginnt, gewachsene Gemeinschaften zu spalten.

Itta Olaj