Wahlkampfgetöse

14.04.2017 10:00

Ein Papier mit der Überschrift  "Common Intention Declaration" macht die Runde und wurde den Medien als unverhältnismäßige Einflussnahme des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV) auf nominierte deutsche Vertreter im internationalen Sport zugespielt [#masterstrack.com].

Das Dokument zeigt die englische Übersetzung einer gemeinsamen Absichtserklärung zur Zusammenarbeit zwischen den Vertretern des DLV in nationalen und internationalen Gremien des Sports und dem Deutschen Leichtathletik-Verband.

Die Vereinbarung wurde zwischen dem DLV-Präsidenten Dr. Clemens Prokop und Kurt Kasche bei dessen Bewerbung zum EVAA-Präsidenten  (heute EMA) im Jahr 2012 getroffen.

Es handelt sich im Grunde um die schriftliche Fassung von Selbstverständlichkeiten, wie "Der vorgeschlagene DLV-Vertreter versteht sich, soweit es ihm die Aufgaben als Präsident des EVAA erlauben, als Botschafter der deutschen Leichtathletikbewegung. Er verpflichtet sich, unter Wahrung der Interessen des EVAA und dessen Mitglieder, zur Loyalität gegenüber dem Deutschen Leichtathletik-Verband und seinen Vertretern". 


Was steckt hinter der Vereinbarung?

Der DLV suchte im Jahr 2012 eine geeignete Person zur Nominierung als Kandidat zum Präsidenten der EVAA. Zum Auswahl- und Nominierungsverfahren entschied sich der DLV, den Kandidaten auf dessen Eignung zu befragen und sich seiner Solidarität zum DLV zu versichern. Sein gutes Recht. Kurt Kaschke konnte sich als würdiger Vertreter des DLV präsentieren. Er bestätigte das Vertrauen in seiner Amtszeit, indem er sich zum Wohle der EMA einsetzte, ohne den Bestimmungen und Grundsätzen des DLV zuwider zu handeln. Laut der Aussage von Kurt Kaschke wurde ihm die Vereinbarung bei der Nominierung als Kandidat zum Präsidenten der EMA im Jahr 2017 nicht mehr vorgelegt. Zu der schriftlichen Absichtserklärung kam es offensichtlich aufgrund vorheriger Erfahrungen.

 

Wozu die Zuspielung des Dokumentes an Medien samt Interpretation?

Hier kann man nur spekulieren. Vorteile von einer Diskreditierung des deutschen EMA-Präsidentschaftskandidaten im August in Aarhus könnte sich beispielsweise der Vizepräsident der EMA Jerzy Krauze aus Polen als Gegenkandidat von Kurt Kaschke erhoffen. Interessant und vielsagend sind auch die Bemühungen des Finnen Vesa Lappalainen. Im Vorfeld der Wahl zum WMA-Vizepräsidenten im Jahr 2013 in Porto Alegre versuchte er seine Gegenkandidatin Margit Jungmann mit eben diesem Papier in Verlegenheit zu bringen. Ohne Erfolg, wie wir wissen.

 

Lesermeinung bei Masterstrack von Weia Reinboud: "I do not see a problem in the text, but maybe I am not suspicious enough. It can also be read as stressing mutuality and so to prevent representatives to have their own agenda."