Sonntagsblatt - Schmetterlingsseminar

06.08.2022 20:00

Der große Anklang der Bilder zum Sonntag ermutigen mich, (ausnahmsweise) einen Auszug aus meinen privaten illustrierten Büchern zur Gartenfauna im Magazin Ue30LA zu veröffentlichen, sozusagen als Regeneration. Phantasie paart sich mit realen Fakten. Die Fotos zeigen Aufnahmen aus dem heimischen Garten.  Alfred Hermes (A.H)


Admiral (Foto A.H) "Professor Klughardt"

Schmetterlingsseminar

von A.H

Admiral James ist ein ganz Schlauer. Sein Wissen hat ihm den Namen Professor Klughardt eingebracht. Klughardt mit “dt”. Darauf legt er Wert. Nur “d” oder “t” hält er für zu gewöhnlich, zu primitiv. Auf Grund eines aktuellen Gefahrennotstandes bittet er den Kleinen Fuchs Ecki, die Falter in seiner Umgebung zu einer Krisensitzung zusammen zu trommeln. Sitzungsgelände bildet der Fliederbusch mit angrenzenden Pflanzenkissen und Stauden, die eine Nektarstärkung zwischendurch ermöglichen. Welche Gefahr beschäftigt unseren Professor? Es geht um Leben und Tod. Im Mittelpunkt stehen Spinnen, die sich bedrohlich breit gemacht haben und mit ihren raffinierten Techniken auf Opfer lauern und sie überwältigen und vor Schmetterlingen keinen Halt machen.

„Liebe Freundinnen und Freunde", beginnt Klughardt seine Vorlesung mit Praktikum. Ich zeige euch zu Anfang ein tragisches Beispiel. Seht ihr den weißen Pfosten der Terrasse? Lasst uns hin flattern! Aber nicht hinsetzen, sondern Abstand halten! Am besten 1,5 Meter!“ Neugierig und folgsam schwingt sich die bunte Flatterschar auf den Weg. „Was fällt euch auf?“
 

Schmuddeldreck“, meint der Bläuling, „die Menschen sind unordentlich und schonen ihre Putzpfoten.“ Der schlaue (Kleine) Fuchs, unser "Trommelfuchs", schaut genauer hin und ruft entsetzt aus: „Da klebt ja ein Schmetterling auf dem Rücken! Schaut mal, ein abgetrenntes Bein, verdorrte Flügel und der Körper ohne Saft. Das Skelett eines Falters. Kopf und Augen kann man noch erkennen!“

Bestürzung breitet sich aus. Die Falterschar flattert aufgeregt aber doch neugierig auf und ab, hin und her und kehrt schließlich zum Versammlungsort zurück.

Das Entsetzen verschlägt den Federleichten die Sprache. Nach einer Pause und einem Schluck Nektar ergreift Klughardt wieder das Wort und beginnt mit einer Frage, die er sogleich selbst beantwortet: “Was glaubt ihr, wer den armen Falter so zugrichtet und an den Pfosten geklebt hat?" Schulterzucken rundum.  "Der Täter war wohl vom Stamm Kreuzspinne, ein dickes Biest, das giftig zubeißen kann. In den Fängen dieses Räubers bleibt dir keine Chance zu entkommen. Haltet eure scharfen Facettenaugen stets wachsam offen! Benutzt sie auch, um Spinnennetze zu entdecken und nicht nur, um nach Partnerinnen oder Partnern zu schielen!“  Kohlweißling Rudi und Lara wechseln verstohlenene Blicke.


Vier Protagonisten: Bläuling, Kleiner Fuchs, Kohlweißling Rudi und Lara (Fotos A.H)
Die Foto lassen sich durch Anklicken vergrößern.

Die Fortsetzung folgt am nächsten Sonntag. Wir begleiten die illustre Falterschar bei einem Ausflug zu einem Spinnennetz und zu einer nach Beute lauernden Krabbenspinne, selbstverständlich bei vorsichtiger Einhaltung des Sicherheitsabstandes (1,5 "Papilios") und empfohlener Abstandsregel.