Kampfrichter*Innen –quo vadis?

03.07.2021 08:30

(Foto von D. Keller, 2020)

An Ue30LA wird verstärkt die Besorgnis herangetragen, dass sich ein Kampfrichtermangel dramatisch verstärkt. „Junge Leute wären kaum noch für dieses Ehrenamt zu gewinnen.“ Händeringend werden für Sportfeste Kampfrichter gesucht. Schließlich springen wohl oder übel noch die „Alten“ ein, die sich eigentlich längst nach langjähriger und teils aufopfernder ehrenamtlicher Tätigkeit zurückziehen möchten. Diese Situation ist nicht nur auf NRW beschränkt. Eine Sportlerin berichtete von einer versuchten Meldung im norddeutschen Raum, die mit der Begründung abgelehnt wurde, dass die Teilnehmerzahl und das Angebot an Sportarten wegen des Mangels an Kampfrichtern erheblich beschränkt werden müsse.

Auf den Mangel weist auch der achtzigjährige Hans W. Porschen aus Frechen (bei Köln) hin, der seinem Artikel den Titel "Kampfrichter*Innen –quo vadis?" gibt. Sein persönlicher Bezug auf die Region Nordrhein ist nach Erfahrungen von Ue30LA auf weitere Verbände des DLV anwendbar. 

 

Hans Wilhelm Porschen schreibt:

"2007 habe ich – damals bereits 66 Jahre alt – den ersten Lehrgang zum Kampfrichter (in der Folge immer mit „KR“ geschlechtsneutral abgekürzt) in Köln absolviert, nachdem mein Heimatverein aufgefordert worden war, Kandidaten zur Ausbildung abzustellen. Ein Sportskollege kam mit zur Erstausbildung, hat aber nach wenigen Monaten seine Einsätze beendet - angeblich aus dem Grunde, dass man ihn nicht mehr angefordert hätte.

Nun schreiben wir das Jahr 2021; ich bin mittlerweile 80 Jahre alt und wollte als Kampfrichter aufhören – auch wegen kleinerer gesundheitlicher Probleme -, aber die Notrufe aus dem alten Kreis Köln kommen immer häufiger: 'Bitte hilf uns, komme zu den angesagten Terminen. Wir haben zu wenig Personal.'

Woran liegt das? Viele KR sind in die Jahre gekommen, gesundheitlich angeschlagen, manche schon gestorben, und etliche haben 'die Brocken hingeworfen'. Ich denke hinsichtlich des letzten Punktes an sehr bekannte Starter, KR aus der Führungsebene, ehemalige Spitzenathleten, die wohl gemobbt wurden. … Es ist klar: Jammern und Wehklagen hilft überhaupt nicht. Was aber ist zu tun?“

 

Mehr Respekt den KR gegenüber

Jeder, sowohl Begleiter als auch Sportler könnten dazu beitragen, durch Anerkennung und Respekt das Ehrenamt des Kampfrichters aufzuwerten. H. W. Porschen: „Soll heißen: Kein gegenseitiges ‚Anpflaumen‘, wenn mal etwas schief geht. Ich habe es schon öfters erlebt, dass KR die Sportstätte abrupt verlassen haben, als Aktive, ihre Trainer bzw. Eltern irgendwelche Entscheidungen in Zweifel gezogen haben.“

 

Permanente konzertierte Werbe-Aktionen für junge Menschen

Hans W. Porschen schlägt unter anderem vor, dass die Landesverbände in einer „permanenten konzentierten Aktion“ zusammen mit den Vereinen junge Menschen für das Ehrenamt Kampfrichter gewinnen sollten. Dazu müsse man ein Gefühl der Attraktivität des Amtes erzeugen. Porschen: „Dabei muss es nicht immer um Lehrgänge gehen; sondern ein lockerer Erfahrungsaustausch tut auch schon mal seine Wirkung!“

 

Verstärkte Angebote zur Ausbildung an ehemalige Leistungssportler

Porschens Vorschlag: „Mehr Angebote an die Vereine, KR auszubilden, wobei man vor allen Dingen die Aktiven im Fokus haben sollte, die den Wettkampfsport bald aufgeben werden. Leuchtendes Beispiel ist für mich der TuS Köln rrh., wo das wunderbar gelingt“.

 

Regional übergreifende Maßnahmen zur Unterstützung der KR

Porschen: „Die Regionen … sollen Organe und Medien schaffen, die einen schnellen und leichteren Austausch der KR ermöglichen (Stichwort: „Börse“). Denkbar wäre hier ein „Newsletter“, der über den Verband … gesteuert wird.“

 

Ehrungen

Hans W. Porschen setzt sich für die Auszeichnung von Vereinen und Personen ein, die sich über das normale Maß hinaus in der KR-Szene engagieren: „Aber niemand kann erwarten, dass sich zum Beispiel Volker R. oder Irmgard H. selbst vorschlagen – auch da muss der Verband ran. Finanzielle Mittel kann ich gerne bereitstellen, wenn dies dem LVN nicht möglich ist…“

 

Materialien

H. W. Porschen wünscht sich eine "kostenlose Bereitstellung von Materialien, wie zum Beispiel Regelhefte u.ä. "

 

Hans W. Porschen schließt seine Bemerkungen mit sportlichem Gruß und der Aussage: „An der Stelle möchte zunächst schließen und hoffen, dass ich eine fruchtbare und zielführende Diskussion mit Folgehandlungen angestoßen habe – hoffentlich!“