Jubiläum von Hanno Rheineck: 60 Jahre Leichtathlet

02.10.2019 08:19
 

Jubiläum

Ein seltenes Jubiläum beging der Troisdorfer Hanno Rheineck am 29. September, denn an dem Tag war er genau seit 60 Jahre als Läufer aktiv! Es begann mit einem 3000 m Lauf am 29.9. 1959, als Rheineck bei der Sportabzeichenabnahme 12:08 Minuten erzielte. Seitdem hat der Rhein-Sieg-Sportler, der aus dem Siegburger TV hervorgegangen ist, genau 1913 Wettkämpfe absolviert.  Er war 25 Jahre Kreisstatistiker und hat über alle seine Starts akribisch Buch geführt.
 

Sprint und Langstrecke

Rheineck begann als Sprinter mit einer 100 m Bestzeit von 10,5 Sekunden. Bei den Senioren war er 19 x Deutscher Meister, 3 x Europa- und 5 x Weltmeister. 2017 wurde er sogar afrikanischer Seniorenmeister (Foto von A.H) über 400 m! Er stellte 11 mal deutsche Rekorde auf ( einmal sogar über 400 m Hürden)  und lief über 200 und 400 m Seniorenweltrekorde. 

Später wandte er sich ( absolut ungewöhnlich für einen Sprinter !) den Langstrecken zu und lief Halbmarathon ( 21,1 km)  in 1 Std. 34 Min. Persönlich traf er mit Legenden wie Paavo Nurmi, Emil Zatopek und Haile Gebrselassie zusammen. 
 

Höhepunkte

Höhepunkte seiner jahrzehntelangen Laufbahn ( vermutlich ist er in den 60 Jahren 2x um die Erde gelaufen) waren u.a. der Sieg beim 10 km Lauf auf der Chinesischen Mauer, der 15 km Lauf durch die Namib-Wüste, ein großer Wettkampf in Singapur mit Läufern aus 92 Nationen, die Großveranstaltung in Istanbul ( Lauf von der asiatischen zur europäischen Seite) mit 100.000 Teilnehmern, ein 12,6 km Lauf von der Insel Neuwerk durch das Wattenmeer nach Cuxhaven und insbesondere der 10 km Lauf in Pjöngjang, der Hauptstadt Nordkoreas! " Natürlich könnte ich auch zahlreiche kuriose Erlebnisse erzählen", berichtet er", als wir z.B. 1964 in Bonn mit nur 3 Läufern eine 4x 100 m Staffel gewannen!"
 

Weltläufer

Rheineck, der später für die Troisdorfer LG, den LC Bonn und den ASV Sankt Augustin startete, läuft heute für den 1.FC Spich. Inzwischen besuchte er 138  Staaten der Erde und startete  in 126 Ländern , was mit Abstand Platz 1 in der Internetrangliste " laenderlaeufer.de" bedeutet." Da waren viele exotische Länder dabei, z.B. Bahrein, Barbados, Belize, Costa Rica, Fidschi, Gambia, Jamaika, Komoren, Laos, Surinam, Uruquay", erzählt der Seniorensportler, der in allen Erdteilen am Start war. So hat er auch  Wettkämpfe auf genau 56 Inseln registriert, z.B. auf Antigua, Bali, Hongkong, Kuba, Mauritius, Puerto Rico, Seychellen, Taiwan.
 

Völkerverständigung

 "Durch den Sport habe ich enorm viel von der Erde gesehen und weltweit zahlreiche Freundschaften geschlossen. Ich hoffe, ich konnte einen bescheidenen Beitrag zur Völkerverständigung leisten", meint der gebürtige Trierer, der seit 1959 im Rheinland lebt. "Ich bin überzeugt: wenn alle Politiker in ihrer Jugend  auch mal eine Sporthose getragen hätten,  wäre es friedlicher in der Welt".  Zweimal wurden dem Ex-Pädagogen Lehrerstellen im Ausland angeboten, so auf der Südseeinsel Tonga und in Tansania. Jahrelang war er im Vorstand der Deutsch-Äthiopischen Gesellschaft. Für die Sportjugend auf den Kapverden stellte er viele Tonnen an Sportausrüstung und Hilfsgütern zusammen; darüber hinaus unterstützt er zahlreiche Projekte u.a. in Brasilien, im Kongo, in Uganda und Nigeria. Dort wurde ihm der Ehrentitel " Omemboji" verliehen, d.h. " Einer, der immer hilft, wenn er kann". Andere  Ehrentitel waren " Apostel der Dialoge, Diplomat in Laufschuhen, Dauer(b)renner, Länderläufer mit sozialer Ader, Helfer auf flinken Beinen. " Man kann nicht aus der 3. Welt zurückkommen und dann nichts tun", sagt er.
 

Rückschläge und Optimismus

Der jahrzehntelange harte Leistungssport blieb nicht ohne Folgen, daher musste er viele Verletzungen und mehrere Operationen hinter sich bringen, alleine 3x an der Achillessehne. Aber all das und selbst eine Krebserkrankung konnten die Begeisterung für die Leichtathletik nicht aufhalten.  " Immer hat mir das Durchhaltevermögen geholfen, das ich im Sport gelernt hatte", berichtet der Seniorenläufer, der noch nie ein Rennen aufgegeben hat. 
 

Funktionär

Hanno Rheineck ist aber nicht nur erfolgreicher Sportler, sondern kann auch auf eine steile Karriere als Funktionär zurückschauen. 54 Jahre lang setzte er sich in den verschiedensten Ämtern vom Kreisvorsitzenden bis zum Seniorenwart des Deutschen Leichtathletikverbandes ( DLV)  für die Leichtathletik und die Belange der Aktiven ein. Für seine ehrenamtliche Arbeit wurde er  u.a. mit der Ehrenplakette des Landesverbandes Nordrhein und der goldenen Ehrennadel des DLV geehrt. Bei mehreren Europa-und Weltmeisterschaften war er Team-Attaché der isländischen Nationalmannschaft und wurde mit der silbernen Ehrennadel des dortigen Leichtathletikverbandes ausgezeichnet.
 

Zur Entwicklung der Leichtathletik

" In den 60 Jahren hat sich die Leichtathletik enorm verändert", resümiert der 76jährige, der immer noch 4x pro Woche trainiert. Gab es früher Wettkämpfe auf Aschenbahnen mit Handzeitnahme, gibt es heute Kunststoffbahnen mit elektronischer Zeitmessung." Früher gab es reine Amateure. Erst später kam das Geld in den Sport, was vieles total verändert hat. Das viele Geld entwertet den Menschen! Heute gibt es Profis und auch das Problem des Dopings", erzählt der erfahrene Leichtathlet, der selbst nie einen Sponsor hatte und auch nie einen Cent von der Deutschen Sporthilfe bekam, sondern alle Ausgaben für die Sportausrüstung und Reisen selbst bezahlte." Leider ist aus vielen großen Stadien sogar die Laufbahn entfernt worden", bedauert er, obwohl doch die Leichtathletik als Königin der Sportarten gilt. Auch die öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten übertragen viel weniger als früher, so dass man oft gezwungen ist, Leichtathletik mit sehr viel unterbrechender Werbung bei Privatsendern anschauen zu müssen. Und das Fernsehen bestimmt sogar mehr und mehr den Zeitplan der Meisterschaften!
 

Mit 100 noch 100m laufen

Seine Wohnung ist voll von unzähligen Pokalen, Medaillen, Preisen, Urkunden, Trikots, Startnummern und  Fotos, so dass vor Jahren schon das Sportmuseum Berlin ( die größte Sportsammlung Deutschlands) Interesse an seinen " Erinnerungstücken" bekundet hat. Aber wichtiger als die Pokale sind für ihn die Begegnungen mit Menschen aus aller Welt. Leider werden ihn an seinem Jubiläumstag keine ehemaligen Mitstreiter begleiten, denn von allen Läufern, mit denen er früher gestartet ist, ist heute schon lange keiner mehr aktiv. Aber auf ihn trifft der Satz " Fit wie ein Turnschuh" voll inhaltlich zu! Was wünscht er sich für die Zukunft? " So Gott will, möchte ich mit 100 Jahren noch 100 Meter laufen", beschreibt der Seniorensportler sein Ziel.

hanno-rhe@gmx.de