Im Strudel der Korruption

19.12.2015 08:58


Im Strudel der Korruption, von Alfred Hermes

Als Folge der Korruption im Zusammenhang mit der Vertuschung von positiven Dopingtests schloss IAAF den russischen Leichtathletikverband vorläufig von internationalen Meisterschaften aus. Fast täglich weiten sich die Vorwürfe auch auf  Funktionäre und Profis weiterer Verbände aus. Es geht um Geld, viel Geld und Macht und Ansehen. Der Masterssport läuft Gefahr, in den gleichen Strudel zu geraten. Im Zusammenhang mit der Suspendierung treibt er bereits im Fahrwasser der Affären. Dieser Gefahr zu begegnen bedarf es eines Verhaltenskodex im Wettkampfsport, der sich an einer Ethik im Masterssport orientieren sollte. Peter Oberließen (deutscher Teilnehmer beim 800m-Masterslauf bei den WM in Peking) mahnt verschärfend an, dass "der Mastersport als Sport nur gerettet werden kann, wenn sich die Masters deutlich einer eigenen ´Masters-Ethik des Sports` verschreiben." Er vermisst eine Ethik-Diskussion, glaubt aber, dass die meisten Senioren sich im Wesentlichen anders verhalten als die jungen Athleten. Er glaubt, dass viele den folgenden Formulierungen zustimmen würden. 

Ansatz einer Ethik im Masterssport, von Peter Oberließen:

  • " Für Masters geht es um Sport und damit auch um ein ´Höher, Weiter, Schneller…`; in der Konkurrenz mit anderen und im Vergleich mit sich selbst. Im Masterssport spielt in hohem Maße die Tatsache des Alterns und der damit verbundenen Leistungsabnahme eine Rolle. Sport als Sport kann da nicht mehr leistungsmäßig absolut gesetzt werden, sondern relativ zum eigenen Alter. Das Aktzeptieren des Alterns ist ein wesentlicher Bestandteil der Masters-Ethik
  • Sport muss für Masters daher (mehr als bei jungen Leuten) eingebettet sein in eine lebenszeitliche Perspektive, aus der heraus kurzfristige Manipulationen von Leistungen jedweder Art, insbesondere Doping, abzulehnen sind
  •  Sportlicher Ehrgeiz soll bei Masters sich nicht ausdrücken in einer Konkurrenz zulasten der anderen, sondern Sport muss eingebettet werden in eine Perspektive, in der die freundschaftliche Begegnung der Athleten untereinander in den Vordergrund kommt: hier kann nicht mehr das Ellbogenprinzip gelten, sondern ein aktiver Versuch, die Leistung des Anderen zu fördern!
  • Sport findet um des Sports willen und nicht um des Kommerzes willen für uns statt."

Wie kann der Masterssport vermeiden, in den Sog der Affären der IAAF zu geraten? Eine Voraussetzung ist ein Verhalten entsprechend der oben beschriebenen Ethik. Zwar spielt in der Regel das Geld für Masters als Motivation zum Betrug im Wettkampf kaum eine Rolle, doch wirken die Aussicht auf Ruhm, Ansehen und Pressedarstellung häufig ebenso fatal. Betrug und Manipulation im Sport schaden dem Ansehen des gesamten Masterssports.