Enttäuscht aber ehrlich und fair: Peter Oberließen

15.05.2015 08:00

In einem Gespräch mit Peter Oberließen zeigt er sich zwar enttäuscht, dass er nicht für den Masters 800m-Einlagelauf bei den Weltmeisterschaften 2015  in Peking nominiert wurde, erkennt aber auch mit großer Hochachtung und Fachkenntnis die Stärke der ausgewählten Mitbewerber an und zeigt Verständnis für die an den Meldetermin gebundene Einhaltung der Entscheidungskriterien.

Peter Oberließens Einschätzung: Leider war der Bewerbungsschluss zur Teilnahme am Einlagewettbewerb der Masters in Peking schon vor meinem  2:02,43-Lauf, so dass „nur“ meine 2:04,45 aus dem letzten Jahr Berücksichtigung fand. Diese Zeit qualifizierte mich zwar für die Bewerbung (die ich auch eingereicht habe), aber es reichte dann eben doch nicht ganz. Hat mich natürlich geärgert; hat aber seine Richtigkeit.

Mir sind weltweit 18 Athleten M50+ bekannt, die eine Zeit von unter 2:06 (Quali) in 2014 oder 2015 gelaufen haben. Von diesen haben sich überraschend viele für Peking gemeldet, so dass die ursprünglich angegebene Zeit als Selektionskriterium nicht ausreichte und sich die Marke dann eher bei Mitte 2:03 bewegte.

Zu diesen bekannten Läufern gehören Anselm LeBourne (USA, 1959), der den Altersweltrekord für einen Lauf unter 2min („Sub-2“) hält (mit 52 Jahren) und Gunnar Durén (SWE, 1963), der mit 50 Jahren in der Halle eine „Sub 2“ gelaufen ist und den Europarekord hält. Dazu kommt überraschend noch ein Läufer, den ich nicht auf dem Radar hatte, der jetzt mit Ende 49 und drei Tage vor Bewerbungsschluss eine 2:01,74 und letzten Sonntag gar eine 1:59,61 gelaufen ist. Es handelt sich um den in Frankreich lebenden Briten David Heath (1965). Diese drei sind damit weltweit gegenwärtig führend in der M50+ (Heath ab Ende Mai). Sie sind damit auch die klaren Favoriten für Peking. Sie verteilen sich übrigens altersmäßig erstaunlich: in Peking werden sie 50 (Heath), 53 (Durén) und 56 (LeBourne) Jahre alt sein. Das ist deshalb erstaunlich, weil zwischen 50 und 55 in der Weltspitze mit einem statistischen Verlust von etwa 1 Sekunde pro Lebensjahr auf den 800m zu rechnen ist.

Daneben gibt es mit Allan Cook (AUS) und Michael Sherar (CAN) zwei weitere 2:01-Läufer und mit Paul Osland (CAN) und Benoit Zavattero (FRA) zwei weitere 2:03-Läufer; auch der als Reserveläufer gelistete Romeo Giuseppe (ITA) gehört in diese Kategorie. Zu diesem exzellenten Läuferfeld kommt dann auf der großen Schaubühne Peking natürlich noch etwas Politik und deshalb zwei Nominierungen, die sich weniger über Leistungen und mehr über ihre Herkunft qualifizieren (dasselbe im Frauenfeld).

Mit Spannung darf erwartet werden, ob die Spitze dieses Feldes in China nicht unter 2min bleibt und vielleicht gar ein oder zwei Weltrekorde (M50: 1:58,65 und M55: 2:03,7) gelaufen werden. Immerhin sind – wenn man die 2:01er dazu zählt und Benoit Zavattero für die M55 – nicht weniger als sechs Kandidaten dafür am Start. Das Feld ist jedenfalls exzellent geeignet, vor weltweitem Publikum Werbung für den Seniorensport zu machen. Vor Peking dürfte es ein Stelldichein dieser enorm dichten 800m-Weltklasse in Lyon geben. In meinem letzten Jahr international M50 werde ich dort dann eher als underdog mitmischen.

 14.05.2015, Peter Oberließen