Streichung des Ausländerstartrechts - Betroffenheit

27.12.2016 08:10

Der Peruaner Dr. Haensel Madueño Velasco lebt seit vierzig Jahren mit seiner deutschen Frau in Deutschland. Davon habe er,  wie er Uea0LA berichtet,  die letzten siebzehn Jahre zuerst für den FLVW und danach für den NLV mit deutschen Mitstreitern bei Deutschen Meisterschaften mitgemischt. Dort sei für eine gute Platzierung hart aber fair gekämpft worden, weil sicherlich alle von der Idee beseelt waren:  „Sport vereint“. Er schwärmt von den schönen Erlebnissen, die sich, wenn es nach dem DLV geht, für ihn leider nicht mehr wiederholen werden. Hilfe suchend fragt er: "Warum soll ein ausländischer Sportler wie ich, der seit Jahrzehnten eine unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland besitzt und seine eigene Nationalität beim Erlangen der deutschen aufgeben müsste, Nachteile gegenüber seinen sportlichen Mitstreitern haben?"

Dr. Haensel Madueño Velasco fleht, die Aussperrung nicht kritiklos und ohne Widerstand anzunehmen. Ausführlich setzt er sich mit den einzelnen Begründungen für die Änderung der DLO auf der Web-Seite des DLVs auseinander. Er kommt zu dem Schluss, dass sie wenig überzeugend sind, gerade in Zeiten, in denen viel über die Integration von Ausändern gesprochen und sich darum bemüht werde. (s. Artikel  in der Lüneburger LZ https://saffti.de/auslaender-muessen-draussen-bleiben/  Quelle des Fotos).

 

Dr. Haensel Madueño Velascos Auseinandersetzung mit den Rechtfertigungen des DLV für die Streichung des Ausländerstartrechtes

DLV:  „In den vergangenen Jahren war es so, dass in Deutschland lebende Ausländer an Deutschen Meisterschaften teilnehmen durften, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllten. Weil einzelne Vereine die Vorgaben umgangen haben – etwa indem sie das Eintrittsdatum in den Verein vordatiert haben oder weil Geburtsdaten teilweise nicht überprüfbar waren –  kam es zu Ungleichheiten.“

Die  einzelnen Vereine, die „Ungleichheiten“ betreiben (vielleicht nur „schwarze Schafe“ wie beim Doping) sollte man bekämpfen, aber nicht die ausländischen Athleten, die vollangepasst in Deutschland leben. Diese sollten weiterhin die Möglichkeit haben, sich unter Gleichgesinnten zu messen. Wenn die Einführung von Kontrollmechanismen und Strafmaßnahmen sich möglicherweise als zu kostspielig erwiesen haben sollten, wäre es angebracht  gewesen, statt pauschal alles in einen Pott  zu werfen, Sonderregelungen einzuführen ( z.B. Altersklasse, Aufenthaltsdauer in Deutschland etc.), um so die Diskriminierung der ausländischen Athleten zu vermeiden.

 

DLV:  „Den Befürchtungen, dass die Verweigerung des DM-Teilnahmerechts Nachteile für die Integration von in Deutschland lebenden Ausländern habe, tritt der DLV entgegen: Die Betroffenen nehmen wie bisher am Vereinsleben teil, starten bei allen Wettkämpfen für ihren deutschen Verein – auch bei Landes- oder Regionalmeisterschaften. Lediglich bei einem Wettkampf pro Jahr, der DM, können sie bis zum Erlangen der deutschen Staatsbürgerschaft höchstens „außer Wertung“ antreten.

Die Behauptung „lediglich bei einem Wettkampf pro Jahr, der DM“ entspricht nicht den Tatsachen. Es ist bekannt, dass ein ausländischer Altersklasse- Läufer bisher an mehreren Deutschen Meisterschaften in einem Jahr teilnehmen konnte, und zwar bei verschiedenen Strecken, die von DM Cross, DM Bahn bis sogar DM Marathon gehen. Übrigens alle Meisterschaften sind wichtig (Kreis, Bezirk, Land), aber die Motivation eines jeden Sportlers, ob Deutscher oder Ausländer, sind die Deutschen Meisterschaften.

 

DLV„Da die DM immer entscheidende Qualifikation für die WM- oder EM-Teilnahme ist, sollte sie denjenigen vorbehalten bleiben, die auch die internationale Startberechtigung für „GER“ haben. Durch die neuen Vorgaben soll die Praxis unterbunden werden, dass deutsche Vereine sich in einem Nachbarland integrierte Sportler für einen DM-Start „ausleihen“, um so ihr Erfolgskonto aufzubessern und der Fokus liegt wieder auf der Ermittlung des besten deutschen Athleten.“

Auch nach der alten Regelung durften nur die deutschen Sportler bei Europa –und Weltmeisterschaften starten. Warum hat man nicht alles bei der alten Regelung gelassen, mit einer zusätzlichen Fußnote für ausländische Athleten „nicht startberechtigt für GER“ bei den DLV-Bestenlisten? Mir ist übrigens nicht  bekannt, dass in der Vergangenheit ausländische Läufer ohne deutschen Pass bei internationalen Meisterschaften für „GER“ gestartet sind.

 

DLV:  „Staffeln und Mannschaftswertungen (Straßenwettbewerbe, Mehrkampf), in denen ein nicht an Deutschen Meisterschaften teilnahmeberechtigter Athlet eingesetzt bzw. gewertet wurde, werden ebenfalls nur als Fußnote zur DLV-Bestenliste gesetzt bzw. haben in dieser Besetzung nicht die Qualifikationsnorm für die DM erreicht.“

Warum wird in dieser Sache dem Vorbild des Deutschen Fußball-Bunds DFB nicht gefolgt, wenn der DLV gegen Nationalismus und Fremdenhass eintreten will? Es ist allgemein bekannt, dass im Fußball seit langem mit international gemischten Mannschaften um die Deutsche Meisterschaft gekämpft wird, dass der integrative Geist des Sports gefordert wird.

Dr. Haensel Madueño Velasco