Altersklassenfaktoren in den Wurfdisziplinen in der Kritik

29.10.2014 22:27

Zwei exemplarische Beispiele und Verfahren nähren Zweifel an der Tauglichkeit der AK-Faktoren beim Übergang zu geringeren Gewichten.
(Teil 4 der Serie über Vergleichbarkeit von Leistungen in der Leichtathletik)

1) Wurfleistung mit unterschiedlichen Gewichten im selben Jahr.
Bestleistungen von Heidi Keller (W50) im Jahr 2011 (AKF = Altersklassenfaktor)

Hammer Weite Fiktiv (4kg, W30) Punkte AKF
4 kg 34,53 m 47,78 m 883 1,3840
3 kg 42,74 m 54,86 m 1041 1,2838
Differenz +8,21 m +7,08 m +158  

Die Vergleichswerte zeigen eine deutliche Steigerung mit der leichteren Kugel, die zu einer erhöhten Punktzahl führt. Der AKF für 3 kg scheint zu hoch. Der Wert 1,1179 würde im Sinne der Erwartung gleicher fiktiver Ergebnisse besser passen.

2) Fünfjahresvergleich beim Übergang zum leichteren Gewicht.

Hammer AK Ergebnis Fiktiv M30 Punkte
4 kg W45 28,50 36,24 629
3 kg W50 35,40 45,44 831
Kugel        
4 kg W45 9,50 11,34 618
3 kg W50 10,50 13,23 743
Speer        
600 g W45 21,00 26,20 405
500 g W50 25,00 32,86 531

Wolfgang Schöppe lieferte dieses Beispiel einer Werferin. Ergänzend sei erwähnt, dass die Punktzahlen von W30 bis W45 etwa gleich blieben. Die enorme Steigerung erfolgte mit den leichteren Gewichten ab W50. Erwartet hätte man etwa die gleiche Bewertung wie in den Vorjahren.

Zufall oder falscher Altersklassenfaktor?

Stichprobenartige Überprüfungen mittels beider Verfahren mit etwa 15 Daten pro Vergleich ergaben keine signifikanten Abweichungen im Diskuswurf für beide Geschlechter und ebenfalls nicht im Hammerwurf bei den Männern. In den übrigen Vergleichen der nicht repräsentativen Auswahl zeigte sich, dass in der kleinen Auswahl der Übergang zu leichteren Gewichten teils zu Verbesserungen der fiktiven Vergleichsleistungen und damit zu höheren Punktzahlen führt.

Die Ergebnisse im Einzelnen

Diskus: Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern finden sich keine signifikanten Anhaltspunkte, an den  AK-Faktoren zu zweifeln.

Kugel: Die Frauen profitieren in der Auswahl erheblich vom Wechsel zur leichteren Kugel. Der Faktor ist durchschnittlich bis zu 20% höher als dern von Rehpenning vorgeschlagene. Bei den Männern liegen in der Stichprobe die Faktoren von M50/M55 um etwa 3% höher, ab M60 tritt das Gegenteil ein.

Speer: In sämtlichen Frauenklassen ab W50 und in den Männerklassen von M50 bis M75 profitieren die Sportlerinnen und Sportler der Auswahl von den leichteren Gewichten. Die Faktoren liegen zwischen 2% und 6% höher als die von Rehpenning. Eine leichte Benachteiligung demonstrieren die Beispiele allerdings für M80+.

Gewicht: Durchweg erhöhen sich in der Auswahl die Punktzahlen bei den Werferinnen und Werfern beim Übergang zu leichteren Gewichten.

Hammer: In der Auswahl scheint sich der Übergang zu leichteren Gewichten bei den Frauenklassen durch bessere Vergleichswerte und höhere Punktzahlen auszuzahlen.  Die fiktiven Verbesserungen in den Weiten betragen um 12%. Bei den Männern sind bis zur Altersklassen M75 keine signifikanten Unterschiede zu den bestehenden Rehpenning-Faktoren festzustellen. Ledig ab M80 scheint das leichtere Gewicht geringe Vorteile zu bringen.